2 Rennen in 5 Tagen 

„Ihr Flug hat leider 5 Stunden Verspätung“ gab mir die Dame von Emirates am Gepäckschalter zu verstehen. „Sie haben allerdings die Möglichkeit, einen 5€ Gutschein in einem der Cafés hier am Airport einzulösen. Aber Ihr Gepäck checken wir Ihnen schon einmal ein… vielen Dank!“ Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits den 70.3 Südafrika in den Beinen und war auf dem Weg nach Dubai zum nächsten Rennen. Es war Montagabend und ich hatte bereits die 4h Autotour von East London nach Port Elisabeth und den Flug von dort nach Kapstadt hinter mir. Spätestens jetzt dachte ich mir, dass der Plan, mal eben 2 Rennen in 5 Tagen zu fighten, vielleicht doch etwas optimistisch war.

Um aber überhaupt hierher zu kommen, hatte ich schon einige Probleme und Strapazen hinter mich gebracht. Allein die Anreise nach Südafrika gestaltete sich bereits dramatisch. Der Orkan Friederike rollte am Donnerstag über Deutschland und hatte alle Zugverbindungen Richtung Süden gekappt. Dummerweise hatte die Bahn dies nicht kommuniziert und so stand ich am Bahnhof bereit zur kurzen Fahrt nach Frankfurt und der Zugbegleiter sagte mir nur trocken: „Dat wird heute nix mehr, sieht eher schlecht aus“. Glücklicherweise hatte ich genug Zeit eingeplant und fuhr dann mit dem Auto nach Frankfurt.

Nach ein wenig Gefeilsche am Schalter wegen meines Übergepäcks und der damit verbundenen Frage, ob ich nun 15 oder 20kg im Handgepäck mitnehmen darf, hoffte ich, endlich bald im Flieger zu sein. Ging es gar doch noch schief, so kurz vor dem Ziel? Eine Stewardess hatte meinen riesigen Rucksack erspäht, begnadigte mich dann aber, nachdem ich ihr von meiner nicht ganz stressfreien Anreise erzählte. Lediglich die Kissen und die Bücher sollte ich doch in die Hand nehmen, um die anderen Flugbegleiter „nicht zu erschrecken“. Durchgeschwitzt vom vielen hin und her verpacken, erreichte ich dann doch mein Ziel und saß in der Maschine Richtung Südafrika.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Dubai kam ich morgens in Kapstadt an, sprang in mein Mietauto und freute mich auf Stellenbosch. Hier war ich in den letzten Jahren schon häufiger im Trainingslager. Der Ort liegt in einer malerischen Umgebung von hunderten Weingütern und eignet sich ideal zum Trainieren. Dort bereiteten sich auch Florian Bögge und Evert Scheltinga auf den 70.3 in East London vor.

Nach ein paar Tagen gemeinsamen Trainings ging es am frühen Freitagmorgen mit dem Flieger weiter zum Wettkampf ans andere Ende des Kaps, denn am Nachmittag war die obligatorische Wettkampfbesprechung. Die Wettkampfbesprechung ist dabei immer wieder wie die Flugeinweisung vor dem Flug. Man hat alles schon 1000 mal gehört, aber irgendwie gehört sie einfach dazu. Man sieht sich um, ob wirklich alle gemeldeten Athleten am Start sind und begutachtet ihre rasierten Beine mit der Hoffnung, dass sie nicht so stark sein mögen, wie sie aussehen. Mit einem amtierenden Xterra Weltmeister und mehreren 70.3 Champions war das Feld zwar quantitativ nicht groß, aber qualitativ für diese Jahreszeit doch recht stark besetzt.

Ich fühlte mich vor dem Rennen gut und konnte von Beginn an beim Schwimmen Druck machen. Gerade das Schwimmen im offenen Ozean hat sich in den letzten Jahren als eine meiner Stärken manifestiert, die ich auch bewusst ausspielen wollte. Schon kurz nach der ersten Boje konnte ich mich von der Führungsgruppe lösen und mit knapp einer Minute als Erster in die Radschuhe wechseln.

Der Kurs in Südafrika ist eine Wendepunktstrecke, die im ersten Teil in Wellen bis auf eine Höhe von rund 500müM führt. Bis dort konnte ich meine Führung sogar leicht ausbauen. Dennoch war mein Fokus, auf der zweiten Rennhälfte richtig Gas zu geben. Ich konnte mich zu 100% auf mein Top-Material, wie den DT-Swiss Laufrädern und meinem bewährten PA Suit verlassen.

Und so wuchs der Vorsprung auf den nächsten Verfolger auf über 3min an. Leider stoppte mich dann mein Hinterrad. Der Reifen war platt und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf den Servicewagen zu warten. Der war eigentlich in den letzten Minuten immer in meiner Nähe. Unglücklicherweise hatte einer meiner Verfolger auch einen Platten und so dauerte es geschlagene 7min, bis ich wieder die Verfolgung aufnehmen konnte.

Ich versuchte mich dann an das Rennen von Lionel Sanders in Pentincton zu erinnern, als er trotz Panne den unglaublich starken Josh Amberger bei der ITU Langdistanz Weltmeisterschaft noch abfangen und gewinnen konnte. Mir war dies allerdings nicht mehr vergönnt. Die Jungs vor mir waren einfach stark und ließen sich von mir nicht mehr einholen. Dennoch war ich froh, die Nerven behalten und das Rennen dennoch solide auf dem 6ten Platz gefinished zu haben.

Nun ja, hier hätte meine Wettkampfreise beendet sein können. Aber inspiriert von Terenzo Bozzones 4 Rennen in 4 Wochen hatte ich mich mit meinen Trainer Sebastian Zeller zu einem Doppelstart in Dubai hinreißen lassen. Mir war dabei bewusst, dass dies richtig nach hinten los gehen kann, da beide Rennen gerade einmal 5 Tage auseinander lagen. Zudem war auch noch die lange Anreise nicht wirklich förderlich. Aber ich hatte einfach Bock drauf.

Der Flug nach Dubai verlief ohne Probleme. Lediglich mein Flughafenshuttle ließ sich nicht blicken. Dafür wurde ich dann per Taxi in einem Tesla Model X chauffiert. Das kann einem auch – glaube ich – nur hier passieren. Dubai kannte ich aus dem letzten Jahr, als ich hier mit meinem damaligen Trainer Faris ein Trainingswochenende verbrachte. Nicht nur, dass hier die höchsten Gebäude stehen, die dicksten Karren an den größten Malls vorbei kutschiert werden. Auch der Radfahrer kommt hier voll auf seine Kosten. So kann man hier mit dem Rad mitten durch die Wüste auf einem extra gebauten Cycle Track fahren. Völlig verrückt.

Ich selber sah diesmal nicht viel von Dubai. Zu kurz war die Regenerationszeit bis zum Rennen. So begnügte ich mich mit dem Training auf dem hoteleigenen Laufband (welches immerhin auf der 36. Etage mit Ausblick auf Dubai stand) und dem Radfahren hin zum Rennstart.

Am Renntag war mir klar, dass ich hier nicht wie in Südafrika das Rennen bis zum Laufen dominieren würde. Mein Ziel war es, aber möglichst lange Anschluss beim Schwimmen zu halten und – wenn es irgendwie geht – mit Alistair Brownlee die ersten Radkilometer mitzufahren, um möglichst viel Distanz auf die meisten Profi-Kollegen zu bekommen. Knapp 50 Profis waren am Start, davon 15 von wirklichem Weltklasseformat.

Das Schwimmen gestaltete sich als ziemlich schwierig. Doch statt körperlich war es vor allem anstrengend, den richtigen Weg zu finden. Die Sonne stand tief und der Wellengang war sehr stark. Aber wie ich sah, hatten auch die anderen Jungs damit zu kämpfen. Relativ schnell wechselte ich mich nur noch mit einem an der Spitze ab, der mit mir den Horizont nach Bojen absuchte.

Am Schwimmausstieg identifizierte ich Alistair Brownlee als denjenigen, der mir als Erster auf den Fersen war. Den Neo schnell runter und den Rennanzug möglichst schnell anziehen, um nicht wieder wie beim 70.3 in Bahrain den Zug an der Spitze zu verpassen. Zu meiner Verwunderung stieg ich als erster auf das Rad. Leider war das für die Rennorganisation anscheinend zu schnell. Das Führungsfahrzeug bremste mich in den ersten beiden Kurven so stark aus, dass Alistair direkt aufschloss und zur Attacke ansetzte. Ich hatte „Null“  Chance, da mitzugehen. Die Beine waren auch nicht so wirklich leicht und so konnte ich ihn nur mit dem Führungsfahrzeug entschwinden sehen.

Damit war meine perfekte Ausgangsposition nach dem Schwimmen leider verspielt. Im weiteren Verlauf bildete sich dann eine vierköpfige Verfolgergruppe mit dem späteren zweiten Sven Riederer und dem starken Maurice Clavel. Bis zum zweiten Wechsel verloren wir zwar Zeit nach vorne, nach hinten konnten wir aber etwas mehr als eine Minute zur nächsten Gruppe halten.

 

Beim Laufen hatte ich anfangs etwas Probleme, fand aber gegen Ende des Rennens immer besser rein und konnte meine Pace halten. Mit dem 11. Platz bin ich auch wirklich zufrieden. Klar, das war nicht das, was ich mir erträumt hatte. Aber von meiner Leistung und gerade mit dem anderen Rennen im Rücken, bin ich zufrieden.

In den kommenden Tagen werden die Beine jetzt erstmal hochgelegt und etwas Karneval gefeiert, bevor die Vorbereitung zum IM Texas ansteht.

Euer Johann